Jugendkonferenz 2013

Plakate und Flyer raus!

Jugendkonferenz Kurdische Frage Demokratisierung Türkei Hannover

Das Mobi-Material für die Konferenz ist fertig. Es kann bei Interesse auch per Email über Vorbereitungsgruppe bezogen werden: jugendkonferenz@riseup.net

Darstellung des Projektes „Jugendkonferenz“ Ende August

Die Idee einer Jugendkonferenz

Mittlerweile tobt seit nahezu 30 Jahren ein bewaffneter Konflikt im Mittleren Osten, der in Europa weitestgehend unbeachtet bleibt: der Kurdistan-Konflikt, der sich maßgeblich an der sogenannten kurdischen Frage entzündet hat. Die kurdische Frage besteht vor allem darin, dass die kulturelle, soziale und politische kurdische Gemeinschaft zwar in der Region lebt, ihrer Identität allerdings durch die Staaten, in denen die KurdInnen leben, keinerlei Status gewährt wird und ihr kulturelle und politische Rechte weitestgehend verwehrt werden. Dass sich die kurdische Frage im letzten Jahrhundert stetig vertieft hat, anstatt überwunden zu werden, liegt nicht zuletzt an dem Demokratiedefizit eben der Staaten, auf die Kurdistan aufgeteilt ist. Der Kurdistan-Konflikt ist seit Jahren durch militärische Auseinandersetzungen der Staaten der Region – allen voran der Türkei – mit der Guerilla der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geprägt. Die Logik der Gewalt gilt es zu durchbrechen, soll eine gerechte, demokratische und nachhaltige Lösung der kurdischen Frage und des Konfliktes herbeigeführt werden.
Seit Anfang des Jahres 2013 haben neue Entwicklungen im Konflikt einen Prozess zur Lösung der kurdischen Frage angestoßen. Die prägendste dieser Entwicklungen stellt die Erklärung der Waffenruhe und der damit verbundene Rückzug der kurdischen Guerilla dar. Dieser militärische Rückzug ist mit einer politischen Offensive verbunden. Ein Friedensprozess und eine Lösung der kurdischen Frage werden nicht allein zwischen der PKK und der türkischen Regierung stattfinden. Nur über die breite Beteiligung der Zivilgesellschaften an einem Friedensprozess und einer Lösung können diese nachhaltig und erfolgreich sein. Der Verlauf des begonnenen Prozesses ist noch ungewiss, sein bisheriger Werdegang ist sehr fragil und gerät immer wieder ins Stocken. Es zeichnet sich allerdings deutlich ab, dass ein Prozess zur Lösung der kurdischen Frage untrennbar mit der Demokratisierung der Staaten in der Region verbunden ist; deutlichstes Anzeichen für diesen Zusammenhang sind die Taksim-Proteste im Sommer 2013, die das Bedürfnis der (türkischen) Gesellschaft nach tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen zu mehr Teilhabe und Mitbestimmung unterstreichen.
Sowohl die Lösung der kurdischen Frage als auch die Demokratisierung der Türkei werden vor allem Aufgaben sein, die sich der Jugend stellen werden. Jugendliche werden es sein, die die jahrelangen Gräben der Konflikte und Auseinandersetzungen überwinden und gemeinsam an einer anderen Gesellschaft arbeiten werden. Um Ansätze für die Lösung der kurdischen Frage und die Demokratisierung der Türkei zu erarbeiten, zu diskutieren und gemeinsam zu verfolgen und somit unmittelbar an den begonnen Prozess anzuknüpfen ist das Projekt einer Jugendkonferenz eine sehr gute Gelegenheit. Eine solche Konferenz wird Jugendliche mit verschiedenen kulturellen, sozialen und politischen Hintergründen zusammenbringen und ihre Ideen in eine breite Öffentlichkeit tragen.
Eine solche Vernetzung und Zusammenarbeit verschiedener deutscher, türkischer, alevitischer und kurdischer Jugendorganisationen hat nach verschiedenen einzelnen Anlässen bereits im vergangenen Jahr im Zuge der Proteste gegen die Verleihung eines Demokratiepreises an den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan ernsthaft begonnen. Die Idee einer gemeinsamen Jugendkonferenz hat durch die Taksim-Proteste seit Juni einen starken Schub bekommen, sodass dieses Projekt noch dieses Jahr realisiert werden sollte. Ziel der Konferenz ist es, türkische, alevitische, deutsche und kurdische Jugendliche in der BRD zusammenzubringen, damit sie sich mit der kurdischen Frage und der Frage nach einer tiefgreifenden Demokratisierung der Türkei vertraut machen und eigene Antworten auf diese Fragen formulieren können. Neben der individuellen Bildung durch die praktische Organisation einer solchen Konferenz wird ein gemeinsamer politischer und kultureller Diskurs befördert, der zu einem kontinuierlichen Austausch und einer längerfristigen Zusammenarbeit verschiedener Jugendorganisationen führen kann.

Bisherige Gestaltung der Jugendkonferenz

Nachdem der Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK die Idee der Jugendkonferenz konkretisiert und verschiedene (Jugend-) Organisationen darauf angesprochen hatte, hat sich Ende Juli eine Vorbereitungsgruppe zusammengefunden, in der verschiedene Organisationen als gemeinsame VeranstalterInnen zusammen arbeiten (SDS.die linke, Grüne Jugend Niedersachsen, Jugendverband Rebell, Antifaschistische Linke International – A.L.I., Gruppe Atesh, Bundesarbeitskreis „Türkei – Kurdistan“ der Partei Die Linke, Young Struggle, Kurdistan Solidaritätskomitee Göttingen, Kurdischer Jugendrat Hannover, YXK). Darüber haben diverse Jugendorganisationen angekündigt die Konferenz zu unterstützen oder an ihr teilnehmen zu wollen (u.a. Linksjugend ’solid, Sozialistisch Deutsche Arbeiterjugend – SDAJ, DIDF-Jugend, Êzîdîsche Jugend Hannover).
Die Konferenz soll über zwei Tage am 9. und 10. November in Hannover stattfinden. Drei Themen sollen an diesen beiden Tagen diskutiert werden: 1. Lösung der kurdischen Frage: Demokratischer Konföderalismus, 2. Demokratisierung der Türkei – eine neue Türkei, 3. Antworten der Jugend (-Organisationen) in der BRD. Zu jedem Schwerpunkt sollen jeweils ein Podium mit einem Input-Vortrag sowie vier Statements verschiedener Jugendorganisationen und im Anschluss drei Arbeitskreise zu je einem Aspekt des jeweiligen Themas stattfinden. Die Vorträge und Statements werden kurz angesetzt, um viel Raum für Diskussionen und direkten Austausch zu bieten.
Auch soll die Möglichkeit bestehen, Jugendliche aus der Türkei und Kurdistan selbst zu Wort kommen zu lassen, indem einE SprecherIn der Jugend der prokurdischen aber türkeiweiten Oppositionspartei BDP eingeladen werden soll. Ohnehin wird die Konferenz wie die Wochen der Vorbereitung als Plattform für den Austausch von Jugendlichen und die Darstellung ihrer Positionen nach außen genutzt werden.
Die Vorbereitung und alle Inhalte der Konferenz sowie die Bereitstellung jeglicher Infrastruktur vor Ort wird ausschließlich von Jugendlichen und Jugendorganisationen getragen werden. Auf diese Weise lernen Jugendliche selbstständig zu arbeiten und können ihre eigenständige Politik entwickeln. In diesem Sinne ist die Jugendkonferenz eine unglaublich wertvolle Bereicherung der Arbeiten der teilnehmenden Jugendorganisationen.