Reportage über die Jugendkonferenz

(Übersetzung aus dem Türkischen, zuerst erschienen bei Firat News Agency)

Am 9./10. November 2013 wird in Hannover die Jugendkonferenz „Die Lösung der kurdischen Frage und die Demokratisierung der Türkei“ stattfinden. Initiiert wurde dieses Projekt vom Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK), der 14 weitere demokratische und linke (Jugend-) Organisationen dafür gewinnen konnte: die Antifaschistische Aktion Lüneburg/ Uelzen, die Antifaschistische Linke International [A.L.I.], den AStA der Universität Hannover, den BAK Türkei-Kurdistan der Partei DIE.LINKE, die DIDF-Jugend als Unterstützerin, die Grüne Jugend Niedersachsen, die Organisation Atesh, die Kurdische Jugend Hannover, das Kurdistan Solidaritätskomitee Göttingen (KSK), den Jugendverband REBELL, den SDS.Die Linke, die Tamil Youth Organisation, die Yeni Demokratik Genclik (YDG) sowie den Young Struggle.
Anstoß für die Jugendkonferenz war die durch den inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan am Newroz-Tag (21. März 2013) in Amed verkündete politische Offensive zur Lösung der Kurdischen Frage und die Rolle demokratischer Jugendorganisationen in diesem Prozess. Bestärkt wurden die VeranstalterInnen schlussendlich durch die Taksim-Proteste, welche das Bedürfnis der Gesellschaften der Türkei nach Demokratisierung und einer Veränderung des Landes bekräftigten.
Die am 9. November um 11.00 Uhr beginnende Konferenz dauert zwei Tage. Am ersten Tag werden zwei der drei übergeordneten Themen behandelt: Im ersten Thema „Die Lösung der Kurdischen Frage: Demokratischer Konföderalismus“ soll die Perspektive der kurdischen Freiheitsbewegung auf die Kurdische Frage diskutiert werden. Dies geschieht wie in jedem der drei Themen zunächst im Plenum, in dem nach einem Input-Vortrag drei Organisationen die Möglichkeit haben, ihre Haltung zu dem Thema darzustellen. Nach dem Plenum werde sich die TeilnehmerInnen in drei parallel laufenden Workshops mit verschiedenen Aspekten des jeweiligen Themas befassen. Das zweite Thema „Die Demokratisierung der Türkei – eine neue Türkei“ wird sich mit den Protesten des Sommers und den Entwicklungen in den Gesellschaften der Türkei befassen. Am zweiten Tag wird das dritte Thema „Antworten von Jugend (-Organisationen) in der BRD“ die Möglichkeit geben, zu diskutieren, wie sich eine linke und demokratische Jugend und ihre Organisationen in der BRD zu der Kurdischen Frage und der Demokratisierung der Türkei verhalten können. Dabei werden Aspekte wie das PKK-Verbot und bundesdeutsche Waffenlieferungen in den Mittleren Osten eine wichtige Rolle spielen, aber auch die Frage gestellt werden, wie kurdische, türkische und deutsche Jugendorganisationen in der BRD eine gemeinsame Praxis entfalten können, um in Politikfeldern wie Antifaschismus oder sozialen Kämpfen ihre Kräfte für eine linke und demokratische Politik zu bündeln.

Einzelne Mitglieder von (mitveranstaltenden) Gruppen äußerten sich wie folgt zu der Konferenz (Es handelt sich hierbei um Übersetzungen aus dem Türkischen von Übersetzungen aus dem Deutschen, die daher nicht wörtliche wiedergegeben sind, Anm. der Übersetzerin):

Aram (SDAJ)
In sozialen Kämpfen ist die demokratische Koexistenz aller Kreise des gesellschaftlichen Gefüges sehr bedeutend. Wir wurden Zeugen dessen, während den Istanbuler Gezi-Protesten. Türken, Kurden, Aleviten, Frauen, Jugendliche und unzählige weitere gesellschaftliche Teile, die jahrelang unterdrückt wurde, haben ihre Unterschiede beiseite gelassen, sind auf den Plätzen eins geworden und haben der AKP eine historische Lektion erteilt. Wir haben hier in Deutschland diese Phase aufmerksam beobachtet und uns den Aktionen und Protesten angeschlossen. Im Allgemeinen kann ich sagen, dass die politischen Entwicklungen in letzter Zeit die Empathie und Solidarität zwischen der Gesellschaft Kurdistans, der Türkei und Deutschlands gefördert haben. Aus diesem Grund erachten wir als SDAJ die am 9. November in Hannover stattfindende Jugendkonferenz als wichtig. Das in Deutschland bestehende PKK-Verbot ist fraglos nicht legitim und stellt zuallererst für die Demokratisierung der Gesellschaft Deutschlands ein Hindernis dar. Wir werden als SDAJ an der Konferenz als Beobachter teilnehmen und finden solche Arbeiten der kurdischen Bewegung wichtig. Wir wünschen als SDAJ eine noch detailliertere und nachhaltigere Zusammenarbeit mit der kurdischen Freiheitsbewegung. Der Verband der Studierenden aus Kurdistan kann hierbei eine wichtige Rolle spielen.

Olaf (Antifaschistische Aktion Lüneburg/ Uelzen)
Es braucht eine klare Position der linken Bewegungen in Deutschland gegenüber dem PKK-Verbot und der Kurden-Politik Deutschlands. Denn diese repressive Haltung des deutschen Staates gegenüber den Kurden ist ein ernsthaftes Hindernis für die Demokratisierung der Gesellschaft in Deutschland. Daher nehmen wir an der von der YXK initiierten Jugendkonferenz zur ,,Lösung der Kurdischen Frage und der Demokratisierung der Türkei“ teil. In unserer Gruppe geben wir internationalen Bewegungen viel Wert und der Widerstand der Unterdrückten ist unser wichtigster Tagespunkt. Die kurdische Freiheitsbewegung hat in diesem Punkt ernsthafte Probleme, sie kann sich selbst der internationalen Öffentlichkeit, der Zivilgesellschaft und den demokratischen Kräften nicht erklären. Die YXK sehen wir für die Überwindung dieses Problems als sehr wichtig an.

Adem (Die Linke.SDS)
Wir unterstützen diese Konferenz. Der Hauptgrund dafür ist, das wir den Demokratiekampf der unterdrückten Klassen und Völker noch stärker in der Linkspartei auf die Tagesordnung setzen wollen. Nicht nur in der Linkspartei ist es wichtig diesen Arbeitsbereich zu entwickeln, sondern in allen Parteien Deutschlands. Insbesondere die Freiheit des kurdischen Volkes und die Demokratisierung der Türkei haben über das ganze Jahr 2013 die Lösungschance gefunden.
Wenn wir uns die Rolle der internationalen Mächte im seit 30 Jahre währenden Krieg in Nordkurdistan vor Augen führen, ist unsere Rolle als demokratische Kräfte in Deutschland für die Lösung der kurdischen Frage und die Demokratisierung der Türkei sehr wichtig und bedeutend. Die Gespräche zwischen der kurdischen Seite und dem türkischen Staat dauern seit fast sieben Monaten an, doch insbesondere die Haltung und Politik der türkischen Regierung ist nicht ermutigend. Trotz dessen ist es bereits sehr bedeutend, dass dieses Problem von kurdischer, türkischer und internationaler Gesellschaft so intensiv diskutiert wird. In dieses Hinsicht ist die am 9. November in Hannover stattfindende Jugendkonferenz sehr wichtig. Es handelt sich um einen Prozess und wir als demokratische Kräfte müssen diesen Prozess mit unserem Widerstand entwickeln. Natürlich nicht nur indem wir auf der Konferenz und in Treffen diskutieren, sondern indem wir auf die Straßen gehen und unsere gesellschaftliche Stärke demonstrieren. In diesem Kontext rufe ich alle zur bundesweiten Großdemonstration am 16. November in Berlin gegen das PKK-Verbot auf.

Fadime (YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan)
Mit der Newroz-Deklaration Abdhullah Öcalans hat der Freiheitskampf der kurdischen Gesellschaft eine neue strategische Ebene erreicht. Bei dem Vorstoß der Freiheitsbewegung zur demokratischen Befreiung und dem Aufbau eines freien Lebens gibt es natürlich verschiedene Gesprächspartner, die einen solchen Prozess unterstützen können. Einer davon könnte der türkische Staat sein, doch er verkennt die Möglichkeiten, welche derzeit bestehen und isoliert sich selbst. Unsere eigentlichen Ansprechspartner sind die gesellschaftlichen Kreise, die demokratischen Widerstand leisten. Die kurdische Freiheitsbewegung sieht seit 2005 die Lösung der kurdischen Frage und die Demokratisierung der unitären Nationalstaaten mit einem neuen Gesellschaftmodell vor und setzt diese Perspektive konsequent um. Insbesondere das Ausrufen der Demokratischen Autonomie 2010 in den kurdischen Gebieten hat die Grundlagen für den gegenwärtigen Prozess gelegt. Die praktische Umsetzung dieser Prinzipien der Demokratischen Autonomie kann zur Zeit in der Revolution in Rojava beobachtet werden. Mit dem Beginn des momentanen Prozesses durch die kurdische Freiheitsbewegung wurden neue Wege geebnet, aber auch neue Fronten aufgebaut. Dessen müssen wir uns bewusst werden und unsere Politik danach ausrichten.
Es stellt sich uns die Frage, wie wir als demokratische Kräfte den Prozess unterstützen und entwickeln können. Wir als YXK wollen durch die Jugendkonferenz mit anderen Jugendorganisationen darüber diskutieren, da wir vor allem die Jugend in der Pflicht sehen, gegen die starren Verhältnisse zu opponieren – auch in den eigenen Bewegungen und Ideen. Die Jugend sollte der dynamischste Teil von Bewegungen und Gesellschaften sein und daher stets mitdiskutieren, mitbestimmen und mitumsetzen. Unsere Jugendkonferenz bietet eine großartige Gelegenheit als Jugendliche etwas absolut selbstständig und gemeinsam entwickeln.